Die Butterfabrik
Von der genossenschaftlichen Dampfmolkerei zum Wohnen im industriellen Erbe
An der Zuivelweg, mitten auf dem Landgut De Wiersse, steht die ehemalige genossenschaftliche Dampfmolkerei. Über siebzig Jahre lang wurde hier die Milch der Bauern aus der Umgebung zu Butter verarbeitet. Es ist ein markantes Stück Industrieerbe, nur einen Steinwurf vom Herrenhaus und den Gärten entfernt.
Das Landgut De Wiersse kaufte die Fabrik 2022, um Leerstand und Verfall aufzuhalten und um in diesem besonderen Gebäude wieder Wohnraum zu schaffen. Die Fabrik ist inzwischen ein kommunales Denkmal. In den kommenden Jahren richten wir hier fünf Wohnungen ein, die wir in Erbpacht vergeben möchten.
Wohnen in der Molkerei
Ein Gebäude dieser Größe bleibt nur in gutem Zustand, wenn darin auch wirklich gelebt wird. Deshalb machen wir aus der Fabrik fünf eigenständige Wohnungen, innerhalb der bestehenden Mauern. So bleibt das Erbe erhalten und an der umliegenden Landschaft ändert sich nichts.

Fünf Wohnungen
Drei der fünf Wohnungen bestehen im Grunde schon und sind bewohnbar: die ehemalige Dienstwohnung der Fabrik, ein Studio im alten Pferdestall und eine geräumige, nahezu ebenerdige Wohnung. Im vorderen Teil der Fabrik, der noch im Rohzustand ist, entstehen die letzten zwei Wohnungen.

Kompakt und vielfältig
Die Wohnungen sind unterschiedlich groß, vom kompakten Studio bis zur großzügigen Wohnung. Solche kleineren Wohnungen sind auf dem Land selten. Es ist eine für alle dabei, die klein wohnen möchten, und eine ebenerdige Wohnung, die sich für ein langes Wohnen eignet. Die großen Fabrikfenster sorgen für viel Licht.
Ein Jahrhundert Milchwirtschaft

1896: eine Butterfabrik auf dem Landgut
1896 stellte der Eigentümer von De Wiersse seinen Pächtern ein Stück Land zur Verfügung, um darauf gemeinsam eine genossenschaftliche Butterfabrik zu gründen. Im Januar 1897 wurde der erste Stein gelegt, und nur vier Monate später konnte die erste Milch verarbeitet werden. Es war ein kleiner, mit Handkraft betriebener Betrieb an der baumreichen Wiersserallee.
Von Handkraft zu Dampf
Die Milch strömte herbei, und schon bald konnte die Handkraft die Nachfrage nicht mehr bewältigen. 1899 kam eine Dampfmaschine hinzu, mit einem Kesselhaus und einem Maschinenraum. Von da an hieß der Betrieb Coöperatieve Stoomzuivelfabriek de Wiersse. Die Milchfahrer holten die Milchkannen mit Pferd und Wagen bei den Bauern ab. Für ihre Pferde baute die Genossenschaft einen Stall, der 1913 vollständig erneuert wurde.


So wurde die Butter gemacht
Die frische Milch lief zunächst durch die Zentrifuge, die den Rahm von der Magermilch trennte. Die Magermilch ging als Viehfutter an die Bauern zurück. Der Rahm reifte im Säuerungsraum und wurde anschließend in großen Butterfässern zu Butter geschlagen, geknetet und gewaschen. Dieses Gemälde von Ids Wiersma aus der Zeit um 1920 gibt die Atmosphäre eines solchen Milchkellers schön wieder.
1937 bis 1941: das heutige Gesicht
Zwischen 1937 und 1941 wurde die Fabrik grundlegend erneuert. Die Produktionsräume erhielten unter einem Flachdach eine größere Höhe, und das Gebäude bekam seine sachliche, funktionale Backsteinarchitektur, die es noch heute hat. Der Anbau von 1941 stammt von Architekt Gerrit Feenstra, der als Verbandsarchitekt des Gelders-Overijsselse Zuivelbond am Bau und Umbau von mehr als vierhundert Molkereien beteiligt war. Auch der heutige Schornstein entstand 1941.

Schließung und Umnutzung
Durch Vergrößerung und Zentralisierung in der Milchwirtschaft schloss die Fabrik Anfang der 1970er Jahre ihre Tore. Danach stellte hier ein Chemiebetrieb unter anderem Bohnerwachs und Bodenwachs her, während im alten Büro gewohnt wurde. Um 2011 erhielt das Gebäude eine Wohnnutzung mit einer einzelnen Wohnung und Bed-and-Breakfast. 2021 wurde eine Cannabisplantage entdeckt. Für das Landgut De Wiersse war das der Anlass, das Gebäude Anfang 2022 zu erwerben und dieses Erbe für die Zukunft zu sichern.
Ein kommunales Denkmal
Auf Antrag des Landguts wurde die Fabrik 2026 zusammen mit dem Pferdestall und dem Schornstein als kommunales Denkmal ausgewiesen. Damit ist der Wert dieses Ortes auch offiziell anerkannt.

Fabrik, Pferdestall und Schornstein
Die Fabrik, der angrenzende Pferdestall, der schlanke Schornstein und die ehemalige Direktorenwohnung auf der anderen Straßenseite bilden zusammen ein erkennbares Ensemble. Frei stehend in der grünen Landschaft ist es ein Wahrzeichen entlang der Wiersserallee. Der Pferdestall ist der älteste noch erkennbare Teil und besonders selten.

Seltene Molkereiarchitektur
Es ist ein recht gut erhaltenes und seltenes Beispiel einer Molkerei in sachlicher Backsteinarchitektur. Die Baugeschichte lässt sich noch gut an den verschiedenen Bauteilen ablesen. Viele der ursprünglichen Fenster aus Stahl und Aluminium sind erhalten geblieben. Gerade die frühen Aluminiumfenster aus den 1950er Jahren sind selten und wertvoll für die Geschichte der Bautechnik.
Historische Bilder und Angaben aus der bauhistorischen Untersuchung der Molkerei De Wiersse (Tijdbeeld, 2024) und aus lokalen Archiven. Ansichtskarte und Briefkopf um 1900; Gemälde von Ids Wiersma um 1920.


